Ein Kurztrip nach Holland ist immer eine gute Idee. Aufgrund der Nähe zum Westen Deutschlands bin ich früher oft in die Grenzstädte oder ans Meer gefahren, manchmal nur für einen Tag, manchmal für ein paar Tage, um einfach mal rauszukommen.

Schwieriger ist meistens die Entscheidung, wohin es gehen soll. Viele Orte kennt man zumindest vom Namen, an manchen war man vielleicht schon einmal, und trotzdem bleibt oft das Gefühl, dass man am Ende wieder beim Gleichen landet.

Onlineportale fokussieren sich auf die naheliegenden Gegenden: Zeeland wegen des Strands und Amsterdam als hippe Großstadt. Dass Holland noch so viel mehr zu bieten hat und viele Regionen zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, weiß ich spätestens, seit ich immer wieder erklären musste, wo ich eigentlich wohne: Zutphen.

Zutphen – der Geheimtipp

Zutphen ist keine Stadt, die einem sofort einfällt, wenn man einen Kurztrip Holland plant. Sie liegt nicht am Meer und wird nicht in unzähligen Reiseblogs angepriesen. Dabei ist es genau die Art von Ort, die sich für ein paar Tage richtig gut eignet. Die Wege sind kurz, man kommt überall zu Fuß hin, und man muss nichts groß planen. Zutphen ist keine Großstadt, für die Du vorab Listen erstellen musst, was Du in der Zeit Deines Trips alles machen und sehen willst, welche Museen wann geöffnet sind, wie Du am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ans Ziel gelangst und in welchen Restaurants Du vorab einen Tisch reservieren musst. In Zutphen angekommen, läufst Du einfach los. Die Altstadt ist überschaubar, aber es gibt genug kleine Gassen und Ecken, wo es Geschichte, Kunst, einen etwas anderen Laden oder ein außergewöhnliches Café zu entdecken gibt. Genau diese Mischung liebe ich an meiner neuen Heimatstadt.

Zutphen Altstadt

Die Altstadt von Zutphen bietet aufgrund der vielen erhaltenen historischen Gebäude einen unbeschreiblichen Charme. Auch mir fallen heutzutage immer wieder neue Details auf, die ich bisher nicht entdeckt habe. Die Häuser erzählen Geschichten von früher, und viele haben ein klassisches Aussehen: mit Deichsel am Giebel, um Lasten nach oben zu befördern, oder Schlagläden anstelle von modernen Rollläden. Manche sind schief, haben dafür aber aufgemalte, verschnörkelte Namen, Fenster mit Buntglas oder mit Delfter Fliesen verzierte Eingänge. Alte Nasenschilder aus Eisen mit handwerklichen Verzierungen und Motiven erinnern noch heute an längst vergangene Zünfte und Werkstätten. Lass dich einfach durch die Gassen und Höfe treiben oder erlebe Zutphens Sehenswürdigkeiten Schritt für Schritt.

Zutphen – Stadt der Türme

Schaut man sich die Skyline von Zutphen vom der Altstadt gegenüberliegenden Ufer der IJssel an, sieht man mehrere Türme, die die restlichen Häuser überragen. Einer dieser Türme gehört zur Walburgiskerk, die heute ein Museum ist, ein weiterer zum Wijnhuistoren, der aus der blühenden Zeit der Hanse stammt. Wenn Du Zeit und Lust hast, besteht an ausgewählten Tagen auch die Möglichkeit, diese Türme zu erklimmen. In den verlinkten Berichten erfährst Du mehr dazu. Zwei weitere, das Stadtbild prägende Türme sind der Drogenapstoren und der Kirchturm der Sint-Janskerk.

Zutphen Markt und Einkaufsbummel

Auf dem Houtmarkt und Zaadmarkt findet jeden Samstag ein einladender und vielseitiger Markt in Zutphen statt. Zwischen Blumen und Käse bekommt man kleine, für die Niederlande typische Snacks wie Kibbeling, Loempia’s und Stroopwafeln. Für mich ist der Markt am Samstagmorgen ein perfekter Start ins Wochenende und für einen Kurztrip nach Holland eine tolle Art, Zutphen wie ein Einheimischer zu entdecken. Anschließend bummelt man durch die kleinen Gassen und entdeckt viele alternative Läden mit allerlei Dingen, die man nicht unbedingt braucht, die sich aber toll als Geschenk eignen: Kleidung und Schuhe, Naturprodukte und esoterisch-spirituelle Dinge. Zutphen ist anders, und ich liebe das. Statt vieler großer, namhafter Ketten findet man hier individuelle Boutiquen und Shopkonzepte, die man in den meisten Großstädten so nicht mehr findet.

Natur, Wasser und ruhige Ecken

Neben der Altstadt und den kleinen Gassen gibt es in Zutphen noch eine andere Seite, die man leicht übersieht, wenn man sich nur auf das Zentrum konzentriert. Was ich besonders mag: Man läuft durch eine schmale Gasse, biegt einmal ab, und plötzlich steht man in einem der kleinen Hofjes. Innenhöfe, die oft von außen kaum zu erkennen sind, mit viel Grün, alten Mauern und einer Ruhe, die man in einer Stadt nicht unbedingt erwartet. Diese Wechsel zwischen lebendigen Straßen und stillen Rückzugsorten machen für mich einen großen Teil des Reizes aus. Eine ganz andere Perspektive bekommt man vom Wasser aus. Die IJssel ist natürlich präsent, vor allem, wenn man einmal die Seite wechselt und die Stadt aus etwas Abstand betrachtet. Gleichzeitig fließt auch die Berkel durch Zutphen, deutlich ruhiger und fast ein wenig versteckt. Gerade dort findet man Ecken, in denen es sofort stiller wird. Mit dem sogenannten Flüsterboot kann man Zutphen noch einmal anders erleben, langsamer, leiser und mit Blick auf die Stadt aus einer Richtung, die man zu Fuß so nicht hat.

Für wen sich ein Kurztrip nach Zutphen lohnt

Ein Kurztrip nach Zutphen passt nicht für jeden und genau das macht den Ort so besonders. Wenn Du ein Wochenende suchst, das durchgeplant ist, mit vielen Sehenswürdigkeiten auf engem Raum und möglichst viel Programm, dann wirst Du hier wahrscheinlich nicht ganz fündig. Zutphen ist eher etwas für Dich, wenn Du gerne durch kleine Städte läufst, ohne ein festes Ziel zu haben. Wenn Du Dir Zeit lässt, zwischendurch stehen bleibst, in Läden gehst, die Du vorher nicht recherchiert hast, und Dich einfach treiben lässt. Auch wenn Du schon öfter in den Niederlanden warst und Lust hast, einmal etwas anderes zu sehen als die typischen Ziele, ist Zutphen eine gute Wahl. Für ein Wochenende oder einen kurzen Trip zwischendurch reicht die Stadt völlig aus. Gerade die Mischung aus Altstadt, kleinen Läden und der Nähe zur IJssel macht es einfach, ein paar Tage dort zu verbringen, ohne dass es langweilig wird.

Praktische Infos für Deinen Kurztrip

Wenn Du Dich für Zutphen als Ziel entschieden hast, bleiben am Ende noch die ganz praktischen Fragen. Gerade bei einem Kurztrip lohnt es sich, sich vorher kurz damit zu beschäftigen, wo man übernachtet und wie das mit dem Parken vor Ort funktioniert. Vieles ist unkompliziert, aber ein bisschen Vorbereitung nimmt einem einfach den Stress vor Ort.

Ich habe meine Erfahrungen dazu in zwei separaten Beiträgen zusammengefasst:
Übernachten in Zutphen
Parken in Zutphen

Beides hilft Dir dabei, Deinen Aufenthalt entspannter zu planen, sodass Du Dich vor Ort auf das konzentrieren kannst, worum es eigentlich geht. Wenn Du zum ersten Mal in den Niederlanden unterwegs bist oder Dein letzter Besuch schon etwas länger her ist, kann es außerdem ganz hilfreich sein, ein paar grundlegende Wörter zu kennen. Vieles versteht man zwar schnell, aber ein kleines „Hallo“ oder „Danke“ auf Niederländisch macht oft direkt einen Unterschied. Dazu habe ich hier einen kleinen Überblick zusammengestellt: Ein bisschen Niederländisch für den Alltag – von Hallo bis Tschüss

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert