Manche Städte erschließen sich nicht dadurch, dass man die Top-Sehenswürdigkeiten nach einer Liste abläuft, sondern durch Gehen, Stehenbleiben, von einer geplanten Route abweichen, Staunen und Weitergehen. Zutphen gehört genau zu diesen Städten. Ein Spaziergang durch die Altstadt ist keine festgelegte Route, sondern eher ein sanftes Treibenlassen. Und doch gibt es Orte, an denen man fast automatisch hängen bleibt. Mein Bericht startet am Parkplatz ’s-Gravenhof, wo man kostenpflichtig in der Innenstadt parken kann. Tipps für kostenloses Parken findet ihr in meinem Beitrag. Ich empfehle euch neben den Sehenswürdigkeiten immer man einen Blick links und rechts in Gassen und um Häuserecken zu wagen.

Startpunkt: Mitten hinein in die Geschichte

Egal, wo man die Altstadt betritt: Man ist sofort mittendrin. Enge Gassen, Kopfsteinpflaster, alte Fassaden. Zutphen wirkt nicht wie eine Kulisse, sondern wie ein gewachsener Ort, der seinen Rhythmus über Jahrhunderte behalten hat. Schon nach wenigen Minuten merkt man, dass hier Geschichte nicht erklärt werden muss – sie ist einfach da.

Die Walburgiskerk – Herz und Wahrzeichen der Stadt

Die Walburgiskerk ist kaum zu übersehen. Sie prägt das Stadtbild und wirkt dabei gleichzeitig mächtig und ruhig. Für mich ist sie einer dieser Orte, an denen man automatisch langsamer wird. Selbst wenn man nicht hineingeht, lohnt es sich, einen Moment auf dem Platz zu verweilen und die Architektur auf sich wirken zu lassen. Direkt nebenan befindet sich die berühmte Librije, der älteste öffentliche Lesesaal der Niederlande. Erfahre, in meinem ausführlichen Bericht, warum Bücher hier an der Kette liegen, wie Du kostenlosen Eintritt erhältst und wie Du selbst mal die Glocken läuten kannst.

Musea Zutphen – Geschichte und Kunst in kleinen Dosen

Zutphen besitzt mehrere kleine Museen, die sich harmonisch in die Altstadt einfügen. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund, sondern sind eher stille Begleiter auf dem Weg. Gegenüber der Walburgiskerk befindet sich das Musea Zutphen: Stedelijk Museum Zutphen & Museum Henriette Polak. Auch wenn man sich nicht über die Geschichte Zutphens informieren und modern-klassische Kunst betrachten will, ist ein kurzer Abstecher empfehlenswert. Was das mit Muscheln zu tun hat, erfährst Du in meinem Blogbeitrag.

Der Burgerzaal und Oude Gemeentehuis

Das Oude Gemeentehuis und der Burgerzaal blicken auf eine lange Geschichte zurück. Während das Oude Gemeentehuis alle typischen Aufgaben eines Rathauses erledigte, war der Burgerzaal im Laufe der Jahrhunderte nicht nur ein Versammlungsort für Zutphens Bürger, sondern diente auch als Fleisch- und Butterlager, Gericht, und sogar Gefängnis. Der Burgerzaal ist ein schönes Beispiel dafür, wie historische Gebäude bis heute genutzt werden und dabei ihren Charakter behalten. Wer sich für Geschichte interessiert, kann hier tiefer eintauchen. Wer einfach nur spazieren möchte, nimmt die Atmosphäre ganz nebenbei mit.

Der Wijnhuistoren – Erinnerung an die Hansezeit

Ein paar Schritte weiter stößt man auf den Wijnhuistoren. Diese Sehenswürdigkeit erinnert an die Zeit, als Zutphen eine bedeutende Hansestadt war. Der Grundstein des Ortes wurde im 9. Jahrhundert gelegt. Seit dem 13. Jahrhundert war das Gebäude als Herberge bekannt, in der man zusammenkam und Wein trank. Daher setzte sich im Laufe der Jahre der Begriff Wijnhuistoren durch. Heutzutage befindet sich im unteren Teil des Gebäudes ein italienisches Restaurant. Der Turm ist nicht nur ein historisches Relikt, sondern lässt sich tatsächlich auch erklimmen – und das sogar kostenlos.

Groenmarkt, Houtmarkt und Zaadmarkt

Der Wijnhuistoren liegt an den drei großen Markplätzen, deren Namen daran erinnern, was hier früher gehandelt wurde: Gemüse, Holz und Saatgut. Sie sind wie kleine Oasen zwischen den engen Gassen. An manchen Tagen spürt man hier das geschäftige Treiben der Händler, manchmal ist es still und man kann die Sonne auf den Pflastersteinen genießen. Plätze, die den Rhythmus der Altstadt auf ganz eigene Weise spürbar machen.

Berkelpoort: Tor zwischen Alt- und Nieuwstad

Das Berkelpoort verbindet die alte Stadt mit der Nieuwstad und erzählt von einer Zeit, in der Zutphen sich vor Feinden schützen musste. Noch heute sind Schießscharten und Mauerreste sichtbar, die an diese Vergangenheit erinnern. An ausgewählten Sonntagen kann man die Berkelruïne sogar gratis erklimmen. Von hier starten auch die Fluisterboote, die flüsterleise die Berken entlangfahren. An Bord erzählen erfahrene Bewohner Zutphens in traditioneller Kleidung von Kultur, Geschichte und Kuriosem. Beispielsweise, was der Uhrschlag um 21:45 Uhr mit dem Berkelpoort zu tun hat. Ich verrate viele interessante Geschichten dieser Tour in meinem Blog.

Kleine Umwege lohnen sich

Zwischen all diesen bekannten Punkten sind es vor allem die kleinen Umwege, die den Spaziergang besonders machen. Ein kurzer Abstecher in eine Seitengasse, ein Blick in einen Innenhof, ein Schaufenster, das neugierig macht. Zutphen belohnt Langsamkeit und Neugier. Dabei entdeckst Du den Agnietenhof an der Broederenkerk, die gar keine Kirche ist und den Oude Bornhof, die kleine ruhige Oase mitten in der Altstadt. Ich erwische mich oft dabei, Wege zu wählen, die eigentlich keinen direkten Zweck haben, und genau dort sieht man wieder etwas Neues, und Interessantes. Nehmt von hier die kleinen Gassen Richtung Süden.

Drogenapstoren:

Der Drogenapstoren trägt seinen Spitznamen nicht ohne Grund: Der Turmwächter soll immer ein Gefäß mit Jenever bei sich gehabt haben. Direkt daneben erinnert ein Standbild an Thonis van Grol, den „Drogenap“ von Zutphen und wer will, kann sogar kurz in seine Rolle schlüpfen. Warum 1999 das Jahr des Drogenap war, verrate ich in einem späteren Beitrag.

Praktischer Hinweis: VVV Zutphen

Auf eurem Weg zurück zum Wijnhuistoren kommt ihr auf dem Zaadmarkt am VVV vorbei, der Touristeninformation. Wer sich vor Ort orientieren oder weiter inspirieren lassen möchte, findet beim VVV in Zutphen Karten, Hinweise und aktuelle Tipps. Gerade für einen ersten Besuch kann das hilfreich sein, auch wenn die Stadt sich am schönsten ganz ohne festen Plan entdecken lässt.

An der Ijssel den Abend ausklingen lassen

Nach der Entdeckungsreise durch Gässchen, entlang von historischen Gebäuden und einer Shoppingtour durch alternative und interessante Lädchen, lässt man den Abend am besten an der Ijssel ausklingen. An der Isselkade kann man draußen den Sonnenuntergang genießen oder sich in einem der beiden Restaurants direkt am Fluss verwöhnen lassen. Im Sommer ist dies ein beliebter Ort für Familien, Freunde, die sich auf einer Picknickdecke ein Bier und Borrelhappen gönnen, Radfahrer, Inliner und Spaziergänger.

Zutphen erlebt man zu Fuß

Ein Spaziergang durch die Altstadt von Zutphen ist keine klassische Sightseeing-Tour. Es ist ein ruhiges Entdecken, ein Sich-treiben-Lassen zwischen Geschichte, Alltag und kleinen Details. Für mich ist genau das der größte Reiz dieser Stadt. In weiteren Artikeln werde ich einzelne Orte, Cafés, Läden und persönliche Lieblingsplätze genauer vorstellen. Dieser Spaziergang ist der Anfang, und jedes Mal ein bisschen anders.


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