Ob Du im Urlaub am Strand unterwegs bist, einen Tagesausflug nach Zutphen machst oder regelmäßig mit dem Auto in die Niederlande fährst: Verkehrsverstöße können schnell teuer werden. Ich treffe immer wieder Niederländer, die auf dem Weg in den Skiurlaub in Deutschland ein Knöllchen bekommen haben und sich über die günstige, deutsche Gebühr freuen. Andersherum berichten Freunde und Familie immer, dass sie den Tempomat strikt einstellen, sobald sie die Grenze in die Niederlande passiert haben. In diesem Beitrag findest du einen übersichtlichen Einstieg in das Thema Bußgeld in den Niederlanden. Der Fokus liegt auf häufigen Verstößen wie Parken, Geschwindigkeit und typischen Alltagsfehlern, inklusive der Frage, was passiert, wenn man ein Bußgeld nicht bezahlt. Wichtig: Die genannten Beträge entsprechen dem Stand 2026. Bußgelder werden in den Niederlanden regelmäßig angepasst und können sich erhöhen. Die aktuellen Bußgeldhöhen kannst Du tagesaktuell beim OM, dem Openbaar Ministerie nachschauen. Bußgeld oder Knöllchen – Gibt es einen Unterschied? Im deutschen Sprachgebrauch wird zwischen einem Knöllchen (Verwarnungsgeld) und einem Bußgeld unterschieden. In den Niederlanden ist diese Trennung nicht relevant, denn auch das Falschparken oder das Parken ohne gültigen Parkschein führt zu einem offiziellen Bußgeld mit Verwaltungsgebühr. Auch kleinere Verstöße werden direkt behördlich verfolgt und zuständig ist das CJIB Centraal Justitieel Incassobureau (zentrale Inkassostelle für Verkehrsbußgelder). Egal, ob man von einem „Knöllchen“ spricht oder nicht, handelt es sich in den Niederlanden immer um ein „boete“ und um ein offizielles Bußgeld, das bezahlt werden muss. Parken: Diese Bußgelder solltest du kennen Gerade in Städten und touristischen Regionen werden Parkregeln streng kontrolliert. Mittlerweile muss fast überall beim Parken das Kennzeichen angegeben werden, wenn man einen Parkschein löst. Die Kontrolle erfolt anders als in Deutschland nicht mehr oft durch das Ordnungsamt, wo Miterbeiter von Auto zu Auto gehen und den Parkschein kontrollieren. Die Niederlande ist technisch viel weiter und kann mit cleveren Techniken das Kennzeichen automatisiert lesen und über eine Datenbank in Sekundenschnelle auslesen, ob ein Parkticket gelöst wurde, ob die Parkzeit überschritten wurde oder ob ein Bußgeld fällig ist. Aktuelle Bußgelder (Stand 2026): Falschparken: 130 € Parken ohne Parkschein oder Zeit überschritten: 130 € Parken in der blauen Zone ohne Parkscheibe: 130 € Stillstehen auf einer durchgezogenen gelben Linie 130 € Parken auf einem Behindertenparkplatz: 370 € Die blaue Zone erkennst du an blauen Markierungen auf der Straße oder entsprechenden Schildern. Hier ist das Parken nur mit Parkscheibe und zeitlich begrenzt erlaubt. Auch diese Beträge können sich künftig erhöhen. Die aktuellstebn Bußgelder kannst Du auf der offiziellen Seite des Ministeriums einsehen. Geschwindigkeit: Hier wird es schnell teuer Geschwindigkeitsverstöße gehören zu den häufigsten und teuersten Vergehen in den Niederlanden. Es gibt Apps, die Blitzer melden, viele Radiosender geben diese halbstündlich durch und mittlerweile gibt es eine Meldefunktion auch in Google Maps, vor allem für fest installierte Blitzer. Achte auch auf Schilder, die eine trajectcontrole angeben. Hier wird die Geschwindigkeit über eine Strecke von A nach B gemessen und nicht an einem festen Moment durch einen Blitzer. Die generelle, erlaubte Geschwindigkeit auf Autobahnen zwischen 6 Uhr morgens und 19 Uhr abends beträgt 100 km/h. Nach 19 Uhr und bis 6 Uhr morgens darfst du 120 km/h fahren, außer es steht anders angegeben. Am rechten Fahrbahnrand findest du auf Autobahnen und Landstraßen in regelmäßigen Abständen kleine Schilder, die die erlaubte Geschwindigkeit wiederholen, damit du diese bei Bedarf noch einmal überprüfen kannst. Messkorrektur („Meetcorrectie“) Um Messungenauigkeiten auszugleichen, zieht die Polizei in den Niederlanden vor der Berechnung des Bußgelds ebenfalls einen festen Wert ab: Unter 100 km/h: 3 km/h Abzug als Toleranz Ab 100 km/h: 3 % der gemessenen Geschwindigkeit Alle Messgeräte sind vom Nederlands Meetinstituut geeicht. Untergrenze fürs Bußgeld Erst ab 4 km/h Überschreitung (nach Abzug der Korrektur) wird überhaupt ein Bußgeld verhängt. Bußgeld bei zu schnellem Fahren (Auswahl) Innerorts (keine 30er-Zone, keine Baustelle) 5 km/h zu schnell: 46 € + 9 € Verwaltungskosten Steigend bis zu 30 km/h zu schnell: 446 € + 9 € Verwaltungskosten Ab 30 km/h: Strafbefehl Außerorts (keine 30er-Zone, keine Baustelle) 5 km/h zu schnell: 42 € + 9 € Verwaltungskosten Steigend bis zu 30 km/h zu schnell: 424 € + 9 € Verwaltungskosten Ab 30 km/h: Strafbefehl In 30er-Zonen, rund um Schulen und Kindergärten, sowie in Baustellen gelten andere Regeln und das Bußgeld fällt höher aus. Autobahn (keine Baustelle) 5 km/h zu schnell: 34 € + 9 € Verwaltungskosten Steigend bis zu 36 km/h zu schnell: 508 € + 9 € Verwaltungskosten Danach ebenfalls Strafbefehl Weitere häufige Verkehrsverstöße Auch diese Verstöße kommen häufig vor und sind alles andere als günstig: Rote Ampel überfahren: 310 € Überholen im Überholverbot: 320 € Handy am Steuer: 440 € Bußgeld in den Niederlanden nicht bezahlen – was passiert? Diese Frage wird besonders häufig gestellt und die kurze Antwort lautet: keine gute Idee. Bußgelder werden auch im Ausland verfolgt und wer nicht innerhalb der Frist zahlt, bekommt Mahnungen mit Zuschlägen für den Zahlungsverzug. In bestimmten Fällen ist eine Vollstreckung in Deutschland möglich. Wer glaubt, ein niederländisches Bußgeld einfach aussitzen zu können, irrt sich. Die Behörden sind hier sehr konsequent. Was viele auch nicht wissen: Die Niederlande sind technisch sehr gut aufgestellt, wenn es um das Eintreiben offener Bußgelder geht, auch bei ausländischen Kennzeichen. Im ganzen Land gibt es mehrere hundert sogenannte ANPR-Kameras (Automatic Number Plate Recognition). Diese Kameras erfassen automatisch Kennzeichen und werden unter anderem eingesetzt: entlang der Autobahnen (Snelwegen) an wichtigen Verkehrsachsen im Grenzbereich zwischen den Niederlanden und Deutschland Zentrale Rolle des CJIB Für das Ausstellen und Eintreiben von Verkehrsbußgeldern ist das Centraal Justitieel Incassobureau (CJIB) zuständig. Wird ein Bußgeld nicht bezahlt, landet es in einem zentralen Register. Dieses Register kann von der Polizei bei Kennzeichenabfragen genutzt werden. Kommt es zu einer polizeilichen Kontrolle, zum Beispiel im Rahmen von allgemeinen Verkehrskontrollen oder temporären Grenzkontrollen (die zuletzt häufiger stattfinden), kann bei der Abfrage des Kennzeichens sofort sichtbar werden, ob noch ein offenes Bußgeld aus den Niederlanden besteht. In so einem Fall kann das Thema direkt vor Ort relevant werden, selbst wenn der ursprüngliche Verstoß Monate zurückliegt. Nachfolgend siehst Du eine Karte der aktuell fest installierten ANPR-Kameras. Quelle: ANPRkaart.nl Beitragsnavigation Pannenkoeken – niederländische Pfannkuchen Tulpen in Holland: Meine Tulpenroute durch Flevoland & wann die Felder blühen