Die Walburgiskerk ist eines der Herzstücke von Zutphen. Kaum ein Gebäude prägt das Stadtbild so sehr wie ihr markanter Turm. Schon beim Betreten spürt man die Geschichte, von den spätmittelalterlichen Details wie dem Taufbecken und dem Kronleuchter bis hin zur Bader-Orgel, deren Renaissance-Klänge regelmäßig Besucher verzaubern.
Walburgiskerk
Die ältesten Teile der Kirche stammen aus dem 11. Jahrhundert. In der Kirche sind noch zahlreiche Wandmalereien zu sehen. Bis 1591 war die Walburgis-Kirche eine Stiftskirche. Nach der Reformation war sie die Hauptkirche der reformierten Gemeinde.
Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche im kölnischen romanisch-gotischen Stil umgebaut. Der Chor und die Querschiffe wurden mit Gewölben versehen, und das Hauptschiff wurde neu errichtet. Im 14. Jahrhundert wurden der Chorumgang und die Ratskapelle hinzugefügt. Im 15. Jahrhundert wurden zunächst die Seitenschiffe und später die Querkapellen gebaut. Schließlich entstand an der Nordseite das Marienportal. Im 16. Jahrhundert (1561) wurde die „Librije“ angebaut. Ab 1591 wurde die Reformation eingeführt, und die Kirche wurde protestantisch. Im Jahr 1637 erhielt der Turm seine heutige barocke Turmspitze. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche unter der Leitung des neugotischen Architekten P.J.H. Cuypers umfassend restauriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kriegsschäden behoben. Die barocke Turmspitze wurde nach dem Turmbrand von 1948 wieder aufgebaut. Zwischen 1970 und 1998 wurde die Kirche erneut restauriert. Im Jahr 2016 übertrug die protestantische Gemeinde Zutphen die Kirche an die Stiftung „Oude Gelderse Kerken“. Um einen ausgeglichenen und für die Instandhaltung der Kirche rentablen Betrieb zu gewährleisten, wurde damals die Stiftung „Walburgiskerk Zutphen“ gegründet.

Die Bader-Orgel
Die berühmte Henrick-Bader-Orgel aus dem Jahr 1643 mit ihren wunderschönen Renaissanceklängen und ihren spätbarocken Ergänzungen zählt zu den schönsten Orgeln der Niederlande.

Darüber hinaus befindet sich im Chor der Kirche die Ahrend-Orgel und in der Credo-Kapelle die Hillebrand-Orgel, eine Kabinettorgel. Ein solch wertvoller Besitz bringt Verantwortung mit sich. Aus diesem Grund wurde 1986 die Stiftung „Henrick-Bader-Orgel“ gegründet, um sich um diese Instrumente zu kümmern, die Orgeln ordnungsgemäß zu warten, aber auch Konzerte zu organisieren, damit jeder den Klang genießen kann.
Wer die Orgelklänge hören möchte, ann ishc auf https://www.baderorgel.nl/agenda/ über Termine und Konzerte informieren.
Die Librije – Bücher an Ketten
Die Librije in der Walburgiskerk ist nicht irgendein Lesesaal, denn sie ist der älteste öffentliche Lesesaal der Niederlande. In ganz Europa gibt es nur zwei ähnliche Kettenbibliotheken. Wenn man durch die schweren Holztüren tritt, fühlt man sich sofort ins 16. Jahrhundert versetzt. Die Librije wurde zwischen 1561 und 1564 erbaut und orientierte sich an den Bücherräumen mittelalterlicher Klöster.
Hier stehen echte Schätze: Erstausgaben von Kopernikus, Erasmus und die erste niederländische Staatsbibel. Rund 750 Bücher beherbergt der Saal, einige davon an jahrhundertealten Lektrinen gekettet, wie man es nur hier sehen kann. Ein Anblick, der zeigt, wie wertvoll Wissen damals war.



Öffnungszeiten, Eintritt und Besonderheiten
Die Walburgiskerk ist von Dienstag bis Samstag geöffnet (11–15 Uhr), im Januar bleibt sie traditionell geschlossen. Sonntags finden zwischen Ostern und Allerheiligen katholische Gottesdienste statt, ansonsten ist die Kirche geschlossen. Um Enttäuschungen zu vermeiden, empfehle ich, vor einem Besuch immer die aktuellen Öffnungszeiten beim VVV Zutphen oder auf der offiziellen Website der Walburgiskerk zu prüfen.
Besonders lohnenswert: An bestimmten Tagen im Jahr, wie etwa am Monumentendag ist der Eintritt in die Kirche und Librije kostenlos. Eine Audiotour ist ebenfalls enthalten und gibt spannende Einblicke in die Geschichte und Kunstwerke der Kirche. Wann der nächste Monumentendag stattfindet und welche historischen Gebäude, Museen, Monumente und Führungen dann gratis sind, erfährst Du immer auf der Website des Monumentendag.
Turm besteigen & Glocken läuten
Für Besucher lohnt sich auch, den Turm zu besteigen, denn der Blick über die Altstadt ist atemberaubend. An ausgewählten Tagen ist die Besteigung möglich, besonders während der Schulferien an Donnerstag, Freitag und Samstag. Im Januar bleibt die Kirche traditionell für Besucher geschlossen, daher am besten vorher den offiziellen Kalender vom VVV oder der Walburgiskerk checken.
Alternativ kann man auch den Wijnhuistoren gratis besteigen und die Sehenswürdigkeiten Zutphens von oben sehen.
Wer mag, kann die Entdeckungsreise noch erweitern und die die Glocken der Walburgiskerk läuten. Jeden Samstag um 18:00 Uhr und Sonntagmorgen um 09:30 Uhr wird geläutet und wer 15 Minuten vorher am Fuß des Turms ist, darf unter Anleitung der klokkenluidersgilde Sint Walburga selbst die Glocken zum Klingen bringen. Ein Erlebnis, das Geschichte buchstäblich hörbar macht.

Führung durch Kirche & Librije
Gruppenführungen starten stündlich und dauern etwa 40 Minuten. Maximal acht Teilnehmer pro Runde sorgen für ein persönliches Erlebnis. Auch größere Gruppen können teilnehmen, dann werden sie in kleinere Untergruppen aufgeteilt. Tipp: Kommt früh, um die erste Tour zu erwischen und das Beste aus eurem Besuch herauszuholen.
Shop & Museumskarten
An der Eingangstheke gibt es einen kleinen Shop mit Büchern, Fotos und CDs zur Walburgiskerk. Für Museumskarten-Inhaber gibt es teilweise kostenlosen Eintritt, um die Kirche mit der Librije zu kombinieren. So lässt sich ein Besuch optimal planen, ohne dass man auf das Budget achten muss.
Mein persönlicher Tipp
Für mich macht die Walburgiskerk besonders die Kombination aus historischer Pracht, kleinen Details und persönlichen Erlebnissen so spannend: Ob man die Blicke über die Stadt vom Turm schweifen lässt, den Klang der Bader-Orgel genießt oder die Geschichte der Bücher an Ketten entdeckt. Hier spürt man die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Wer mehr erfahren möchte, findet alle tagesaktuellen Infos, Öffnungszeiten und Sonderaktionen auf der Website der Walburgiskerk.
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