Wer zum ersten Mal Silvester in den Niederlanden verbringt, wird schnell feststellen, dass die Niederländer ihre ganz eigenen Begriffe und Traditionen für den Jahreswechsel haben.
Der 31. Dezember heißt auf Niederländisch „oudejaarsdag“. Der Abend wird als „oudejaarsavond“ bezeichnet. Wenn die Niederländer ganz allgemein von Silvester und Neujahr sprechen, hört man dagegen sehr häufig „Oud en Nieuw“. Gemeint ist damit die Zeit rund um den Jahreswechsel.
Für mich gehört genau das zu den Dingen, die das Leben in den Niederlanden so interessant machen. Viele Traditionen erinnern zwar an das, was wir aus Deutschland kennen, fühlen sich hier aber trotzdem ein bisschen anders an.

Was machen die Niederländer an Oudejaarsavond?
Oudejaarsavond ist in erster Linie ein Abend, den viele Niederländer mit Familie und Freunden verbringen. Man sitzt zusammen, isst, trinkt etwas und wartet gemeinsam auf Mitternacht.
Dabei geht es häufig gar nicht um eine große Silvesterparty. Für viele Menschen gehört das gemütliche Zusammensein genauso zu Oud en Nieuw wie das Anstoßen um Mitternacht.
Natürlich gibt es daneben noch einige Dinge, die für einen niederländischen Silvesterabend fast schon dazugehören.
Oliebollen gehören zu Oud en Nieuw einfach dazu
Wenn es eine kulinarische Tradition gibt, die man mit dem niederländischen Jahreswechsel verbinden kann, dann sind es Oliebollen.
Die frittierten Hefeteigbällchen gibt es in den Niederlanden rund um den Jahreswechsel praktisch überall. Man bekommt sie an speziellen Oliebollenkramen auf der Straße, beim Bäcker oder man backt sie zu Hause selbst.
Oft werden sie mit Puderzucker bestäubt. Je nach Rezept kommen Rosinen, Äpfel oder andere Zutaten in den Teig.
Die Geschichte der Oliebollen reicht allerdings wesentlich weiter zurück als bis zu den heutigen Silvesterständen. Bereits im 17. Jahrhundert finden sich Rezepte für sogenannte „oliekoeken“. Ein bekanntes Rezept stammt aus dem Kochbuch „De verstandige kock“ aus dem Jahr 1667.
Woher die Tradition ursprünglich genau stammt, lässt sich dagegen nicht eindeutig sagen. Es gibt verschiedene Theorien über die Vorläufer der heutigen Oliebollen und ihre Entwicklung. Sicher ist jedoch, dass gebackene Teigspeisen in Fett schon seit Jahrhunderten zur Winterzeit und rund um den Jahreswechsel gehören.
Eine besonders schöne Erklärung für die Verbindung mit dem Jahreswechsel liegt in alten Bräuchen. In früheren Zeiten wurden solche Speisen unter anderem an Menschen verteilt, die zum neuen Jahr Glück wünschten. Aus diesen Traditionen entwickelte sich im Laufe der Zeit die enge Verbindung der Oliebollen mit Oud en Nieuw.
Ich habe den Oliebollen inzwischen selbst einen eigenen Beitrag gewidmet. Dort erzähle ich mehr über das niederländische Kultgebäck und natürlich gibt es auch mein Rezept zum Nachbacken: Oliebollen – süße Silvester-Tradition und Kultgebäck.
Auch Appelflappen gehören zum Silvesterabend
Neben Oliebollen stehen bei vielen Niederländern auch Appelflappen auf dem Tisch. Dabei handelt es sich um Teiggebäck mit Apfelfüllung, das ebenfalls gerne rund um den Jahreswechsel gegessen wird.
Wer also an Silvester durch einen niederländischen Supermarkt oder über einen Markt läuft, wird schnell feststellen, dass es kulinarisch ziemlich süß werden kann.
Für mich gehören Oliebollen allerdings ganz klar zu den Dingen, die man einmal probiert haben sollte, wenn man Oud en Nieuw in den Niederlanden erlebt.
Gemeinsam auf Mitternacht warten
Im Laufe des Abends wird gegessen, getrunken und gemeinsam auf Mitternacht gewartet. Auch hier gibt es eine spezielle Tradition, wie in Deutschland das obligatorische Fondue oder Raclette: Gourmette. Kleine Gericht werden dabei selbst mit unterschiedlichen Zuateten zubereitet und man isst gemnütlich miteinander. Auch Häppchen wie beim Borrel können am späteren Abend gereicht werden.
Im Fernsehen gehören Unterhaltungssendungen und die traditionelle „Oudejaarsconference“ zum niederländischen Jahreswechsel.
Bei der Oudejaarsconference blickt ein niederländischer Kabarettist auf humorvolle Weise auf das vergangene Jahr zurück. Für viele Menschen gehört diese Mischung aus Satire, Politik, Prominenten und Ereignissen des vergangenen Jahres zum festen Silvesterprogramm.
Auch die Top 2000 ist ein fester Bestandteil der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester. Die große niederländische Radiosendung mit 2.000 ausgewählten Songs läuft traditionell Ende Dezember und wird von vielen Menschen zu Hause, bei der Arbeit oder unterwegs gehört. Die Musik gehört damit für viele Niederländer genauso zur Jahreswechselzeit wie die Oliebollen.
Um Mitternacht wird angestoßen
Wenn die Uhr zwölf schlägt, wird gemeinsam auf das neue Jahr angestoßen. Man wünscht sich „Gelukkig nieuwjaar“, also ein glückliches neues Jahr, und gratuliert Familie, Freunden und Nachbarn.
Traditionell gehörte natürlich auch das Feuerwerk zu diesem Moment.
Hier hat sich für die Niederlande allerdings gerade etwas Grundlegendes verändert. Seit dem 1. August 2026 gilt ein landesweites Verbot für Verbraucherfeuerwerk. Privatpersonen dürfen seitdem grundsätzlich kein Feuerwerk der Kategorien F2, F3 und F4 mehr kaufen, besitzen oder abbrennen. F1-Feuerwerk wie Wunderkerzen und Knallerbsen bleibt erlaubt. Für bestimmte Vereine und Stiftungen sind außerdem Ausnahmen möglich.
Was das neue Feuerwerksverbot für Urlauber bedeutet und welches Feuerwerk in den Niederlanden noch erlaubt ist, habe ich in einem eigenen Beitrag ausführlicher erklärt: Silvester in den Niederlanden: Ist Feuerwerk noch erlaubt?
Was passiert nach Mitternacht?
Nach dem Anstoßen ist für viele noch lange nicht Schluss. Wer gerne feiert, zieht weiter auf eine Party oder trifft sich mit Freunden. Andere bleiben gemütlich zu Hause.
Der Jahreswechsel ist in den Niederlanden also genauso vielfältig wie bei uns. Es gibt Familienabende, Partys, Fernsehen, Musik, gutes Essen und natürlich das gemeinsame Warten auf Mitternacht.
Am nächsten Morgen beginnt dann der Nieuwjaarsdag, also der Neujahrstag.
Spätestens jetzt wird auch eine weitere niederländische Tradition interessant, die allerdings nicht mehr zum eigentlichen Oudejaarsavond gehört. An vielen Orten findet am 1. Januar die Nieuwjaarsduik statt. Mutige Menschen stürzen sich dabei gemeinsam ins eiskalte Wasser und starten auf diese Weise ins neue Jahr. Das wäre allerdings definitiv nicht meine bevorzugte Art, den 1. Januar zu beginnen. 😄
Oud en Nieuw in den Niederlanden ist mehr als nur Feuerwerk
Wenn man die einzelnen Traditionen betrachtet, fällt eigentlich auf, dass Feuerwerk nur ein Teil des niederländischen Silvesterabends war. Im Mittelpunkt stehen das Zusammensein mit Familie und Freunden, gutes Essen, Oliebollen, Fernsehen, Musik und natürlich das gemeinsame Anstoßen um Mitternacht. Durch das neue Feuerwerksverbot wird sich der Ablauf von Oud en Nieuw für viele Niederländer sicherlich verändern. Die anderen Traditionen bleiben jedoch bestehen.
Denn wenn um Mitternacht die Uhr zwölf schlägt, braucht es vielleicht gar nicht unbedingt Raketen und Böller, damit sich der Moment besonders anfühlt. Eine Schale mit warmen Oliebollen, ein Glas zum Anstoßen und die Menschen, mit denen man gerne zusammen ist, reichen dafür eigentlich schon aus.
So verbringen wir übrigens auch unser Silvester mit Woody. Warum wir den Jahreswechsel mit unserem Hund etwas ruhiger angehen und was wir vor Einbruch der Dunkelheit machen, habe ich in einem eigenen Beitrag erzählt: Silvester mit Hund: So verbringen wir den Jahreswechsel mit Woody
Für uns gehört eben auch das zu Oud en Nieuw. Gemeinsam sein, gemütlich essen und das neue Jahr möglichst entspannt begrüßen.
