Zwei Jahre Niederlande: Was mich überrascht hat, woran ich mich gewöhnt habe und was ich heute nicht mehr missen möchte

Ich dachte, ich kenne die Niederlande, schließlich war ich schon oft hier, wusste, dass die Niederländer gerne Fahrrad fahren, dass es überall Tulpen gibt und dass man in Holland ziemlich guten Käse kaufen kann. Ich kannte die kleinen Backsteinhäuser, die Kanäle und die Frittenbuden und hatte eigentlich das Gefühl, dass mich so schnell nichts mehr überraschen würde.

Und dann bin ich tatsächlich hierhergezogen.

Seit inzwischen zwei Jahren lebe ich mit meinem Freund in den Niederlanden, genauer gesagt in Zutphen, und seitdem habe ich festgestellt, dass es einen ziemlich großen Unterschied macht, ob man ein Land immer wieder für ein paar Tage besucht oder dort tatsächlich seinen Alltag verbringt. Manche Dinge sind genauso, wie ich sie erwartet hatte, andere sind komplett anders und bei einigen habe ich mich tatsächlich gefragt, warum mir das eigentlich vorher niemand erzählt hat.

Deshalb kommen hier zehn Dinge, die ich gerne gewusst hätte, bevor ich in die Niederlande gezogen bin.

1. Wohnen in den Niederlanden ist teuer – und der Immobilienmarkt ist eine Welt für sich

Fangen wir direkt mit einem Thema an, das wahrscheinlich jeden interessiert, der über einen Umzug in die Niederlande nachdenkt: das Wohnen. Wir haben ziemlich lange nach einem bezahlbaren Haus gesucht und als Starter ohne eigenes Wohneigentum ist es gar nicht so einfach, in den niederländischen Immobilienmarkt einzusteigen.

Die ersten Häuser, die wir uns innerhalb unseres Budgets angesehen haben, waren vor allem eines: klein. Kleine Häuser, kleine Grundstücke und kleine Gärten. Das ist tatsächlich häufig der Stil, wenn man nicht gerade sehr weit aufs Land zieht, und daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.

Dazu kommt, dass Wohnen in den Niederlanden ziemlich teuer ist. Was mich besonders überrascht hat, war der Vergleich mit den Mietpreisen. Eine Wohnung in Apeldoorn mit deutlich weniger Quadratmetern, ohne Garten und mit wesentlich weniger Platz kostete ungefähr so viel, wie unsere spätere Hypothek für ein eigenes Haus. Irgendwann haben wir deshalb gesagt: Wenn wir schon so viel Geld fürs Wohnen ausgeben, dann wollen wir lieber etwas Eigenes.

Die Suche nach unserem Haus war allerdings eine Geschichte für sich. Bei einer Besichtigung hatten wir gerade einmal 30 Minuten Zeit. Mehr nicht. Kein gemütliches zweites Anschauen am nächsten Wochenende, kein „Wir nehmen noch einen Statiker oder Elektriker mit und schauen uns das Ganze noch einmal in Ruhe an“ und auch kein ausgiebiges „Wir schlafen erst einmal eine Nacht darüber“. Nach der Besichtigung mussten wir ein Angebot abgeben, denn natürlich gab es auch noch andere Interessenten.

Das war bei jeder Besichtigung so. Anschauen, möglichst schnell alles erfassen, wieder nach Hause fahren und dann überlegen, wie viel man bereit ist zu bieten. Wenn man den Zuschlag bekommt, die Finanzierung steht und einige Wochen später die Schlüsselübergabe erfolgt, darf man schließlich wieder in sein zukünftiges Haus und es sich in Ruhe ansehen.

Heute klingt das für mich immer noch ein bisschen verrückt.

Unser Haus in Zutphen haben wir schließlich bekommen und rückblickend sind wir sehr froh darüber. Der Wert unseres Hauses und des Grundstücks hat sich in den vergangenen 15 Jahren ungefähr verdoppelt, was natürlich auch zeigt, wie stark sich der niederländische Immobilienmarkt entwickelt hat. Bei so vielen Menschen, die ein Haus suchen, bestimmt die Nachfrage eben ganz wesentlich den Preis.

Auch die niederländischen Häuser selbst sind ein Thema für sich. Warum sind holländische Häuser so schmal? Warum haben die Niederländer keine Gardinen? Erfahre mehr dazu in meinen Berichten.

2. Niederländisch verstehen ist viel einfacher als Niederländisch sprechen

Bei der Sprache hatte ich zunächst den Eindruck, dass das doch eigentlich ganz einfach werden müsste. Schließlich versteht man als Deutsche beim Lesen erstaunlich viel und auch beim Zuhören kann man sich vieles aus dem Zusammenhang erschließen. Wenn man dann aber selbst einen Satz auf Niederländisch formulieren möchte, merkt man ziemlich schnell, dass Verstehen und Sprechen zwei völlig verschiedene Dinge sind.

Ich kenne das inzwischen ganz gut: Ich weiß genau, was jemand sagt, ich könnte es wahrscheinlich auch auf Deutsch erklären, aber sobald ich selbst antworten möchte, fehlt mir plötzlich genau das eine Wort, das ich gerade brauche. Oder ich kenne es, verwechsel es aber dann doch mit einem deutschen Wort, weil die Sprachen sich so ähnlich sind.

Trotzdem finde ich es unglaublich schön, wie hilfsbereit die Niederländer beim Lernen ihrer Sprache sind. Wenn man versucht, Niederländisch zu sprechen, bekommt man normalerweise keine genervten Blicke, sondern Hilfe, eine andere Formulierung oder einfach ein freundliches Lächeln. Und manchmal wechseln die Leute natürlich auch einfach ins Deutsche oder Englische, sobald sie merken, dass man noch lernt. Das ist nett gemeint, hilft beim Üben aber natürlich nicht immer.

Nach zwei Jahren würde ich deshalb sagen, dass ich Niederländisch sehr gut verstehe und selbst auch gut spreche, und genau das hätte ich vor meinem Umzug wahrscheinlich nicht gedacht.

Über Niederländisch für den Alltag und meine Erfahrungen beim Lernen habe ich bereits einen eigenen Artikel geschrieben, ebenso über die Aussprache. Dort geht es dann noch etwas genauer um die kleinen sprachlichen Stolperfallen, die einem im Alltag begegnen.

3. Bezahlen ist hier so einfach, dass selbst Kleinstbeträge keine Rolle mehr spielen

An das elektronische Bezahlen habe ich mich dagegen ziemlich schnell gewöhnt. Hier wird einfach mit Karte oder Handy bezahlt, und zwar auch bei Beträgen, bei denen man in Deutschland vielleicht noch nach Kleingeld gesucht hätte. Beim Parken ein paar Euro? Handy dran. Im Restaurant getrennt bezahlen ohne es dem Personal schwer zu machen? Tikkie! Selbst Menschen, die auf der Straße Spenden sammeln, haben teilweise ganz selbstverständlich eine elektronische Bezahlmöglichkeit dabei.

Dadurch wirkt Bargeld im Alltag fast ein bisschen aus der Zeit gefallen. Daher wundert es auch nicht, dass alles auf oder abgerundet wird und 1- und 2-Cent-Stücke schon vor langem abgeschafft wurden.

Gleichzeitig gibt es aber etwas, das ich an den Niederlanden wirklich wunderbar finde und das für mich ein schönes Beispiel dafür ist, dass Digitalisierung nicht immer bedeuten muss, dass alles schneller gehen muss: die Kletskassa.

Meine erste Begegnung damit war ziemlich typisch deutsch. Ich stand an der Kasse in der Schlange und habe mich innerlich darüber aufgeregt, dass die Kassiererin die Artikel nicht in Max-Verstappen-Geschwindigkeit über den Scanner zog. Sie ließ sich Zeit und währenddessen stand eine ältere Dame daneben und packte ihre Einkäufe ein. Alles lief sehr entspannt ab und die beiden unterhielten sich intensiv über Gott und die Welt.

Ich dachte nur: Mensch, nun mach doch mal hin! Warum dauert das so lange? Ich war so an die panischen „Ich stopf alles unbedacht in Taschen und schmeiß den Rest einfach in den Wagen“-Einäufe aus Deutschland gewohnt, wo das Kassenpersonal weiter schiebt, obwohl sich alles stapelt und man nicht hinterherkommt.

Bis ich irgendwann verstanden habe, dass genau das gar nicht der Sinn dieser Kasse ist. Die Kletskassa ist dafür da, dass man sich Zeit nimmt und miteinander spricht. Gerade ältere Menschen nutzen sie gerne, weil der Einkauf damit auch ein Stück Sozialkontakt ist.

Und plötzlich war ich diejenige, die etwas lernen musste: Nicht alles muss schneller gehen, nur weil es schneller gehen könnte.

Mittlerweile finde ich die Idee ziemlich großartig. Gleichzeitig gibt es natürlich jede Menge Selbstbedienungskassen und in manchen Supermärkten kann man schon während des Einkaufs alles mit einem Handscanner erfassen und muss am Ende nur noch bezahlen. Praktischer geht es kaum.

4. Das Fahrrad-Klischee stimmt tatsächlich

Fahrräder sind wahrscheinlich das Klischee Nummer eins, wenn man an die Niederlande denkt, und ich kann inzwischen sagen: Ja, es stimmt tatsächlich.

Überall sieht man Fahrräder, es gibt eigene Radwege, eigene Schilder, eigene Ampeln und Fahrradparkhäuser und an vielen Stellen haben Radfahrer Vorrang. Gibt es eine Straße, gibt es einen Radweg. Einen separaten Fußweg allerdings nicht immer. Und irgendwann merkt man, dass das Fahrrad hier nicht einfach ein Freizeitgerät ist, sondern ein ganz normales Verkehrsmittel, für das die komplette Infrastruktur ausgelegt ist.

Als ich noch nicht hier lebte, dachte ich natürlich auch, dass die Niederländer einfach besonders gerne Fahrrad fahren. Heute sehe ich es etwas anders, denn wenn man von klein auf eine Infrastruktur gewohnt ist, in der man mit dem Fahrrad überall hinkommt, ist es wahrscheinlich auch ziemlich logisch, das Fahrrad entsprechend häufig zu benutzen.

Dazu kommt, dass andere Arten der Fortbewegung nicht gerade günstig sind. Der öffentliche Personenverkehr, kurz OV, kann ziemlich teuer sein, die Benzinpreise sind alles andere als niedrig und auch beim Parken kann einem schon einmal die Kinnlade herunterfallen.

Warum die Niederländer so viel Fahrrad fahren, habe ich bereits ausführlicher beschrieben. Dort geht es dann auch darum, wie diese Fahrradkultur überhaupt entstanden ist.

5. Die Niederländer sind offen, freundlich und grüßen einfach jeden

Eine Sache, die ich am Leben in den Niederlanden wirklich liebe, ist die Offenheit der Menschen. Wenn ich spazieren gehe, werde ich gegrüßt, und zwar nicht nur von Menschen, die ich kenne. Ein kurzes „Hoi“, ein Lächeln oder manchmal auch ein kleiner Plausch gehören hier einfach dazu.

Für mich fühlt sich das anders an als in Deutschland. Die Menschen wirken auf mich häufig lockerer und weniger förmlich und man kommt schneller miteinander ins Gespräch. Natürlich kann ich nicht für alle Niederländer sprechen, aber das ist zumindest meine Erfahrung aus den zwei Jahren, die ich inzwischen hier lebe.

Besonders schön finde ich, dass sich dieser Umgang nicht auf große Begegnungen beschränkt. Man steht kurz mit dem Nachbarn auf der Straße und redet über das Wetter, den Garten, die Katze oder den Hund, und dann geht jeder wieder seiner Wege. Man muss daraus keine Freundschaft machen, aber man nimmt sich eben kurz Zeit füreinander.

Und dann gibt es noch die niederländische Geburtstagskultur, die ich bis heute ziemlich lustig finde. Hier gratuliert man nämlich nicht nur dem Geburtstagskind, sondern irgendwie gleich allen. Du gehst auf eine Geburtstagsfeier und plötzlich gratulierst du der Mutter zum Geburtstag ihres Kindes oder dem Partner des Geburtstagskindes. Das ist für uns Deutsche zunächst einmal ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Vielleicht liegt die allgemeine Gelassenheit der Niederländer aber auch einfach ein kleines bisschen am Gras in der Luft. 😉

6. Die niederländische Küche ist viel mehr als Fritten

Beim Essen hatte ich ehrlich gesagt zunächst ein kleines Problem damit, herauszufinden, was eigentlich typisch niederländisch ist. Natürlich gibt es die klassische Frituur-Kultur mit Friet, Frikandel, Kroketten, Bitterballen und allerlei anderen frittierten Köstlichkeiten, die man hier wirklich überall findet.

Gleichzeitig gibt es aber unglaublich viel internationale Küche. Gerade asiatisches Essen ist sehr verbreitet und wahrscheinlich spielen dabei auch die Geschichte der Niederlande als Seefahrernation und die koloniale Vergangenheit eine Rolle. Dazu kommen Restaurants aus allen möglichen Ländern, sodass man sich kulinarisch eigentlich ständig irgendwo anders auf der Welt wiederfinden kann.

Und dann gibt es natürlich die traditionellen niederländischen Gerichte, die uns Deutschen teilweise erstaunlich bekannt vorkommen: Stamppot, Pannenkoeken, Poffertjes, Hagelslag, Tompouce oder Stroopwafels.

Was ich besonders spannend finde, ist die Tatsache, dass Essen hier auch sehr viel mit Geselligkeit zu tun hat. Beim Borrel sitzt man zusammen, trinkt etwas, quatscht und isst nebenbei kleine Snacks. Es geht also nicht unbedingt darum, eine große Mahlzeit zu sich zu nehmen, sondern einfach eine gute Zeit miteinander zu verbringen.

7. Behörden können erstaunlich einfach sein – bis du ein Auto importierst

Bei diesem Thema war ich tatsächlich überrascht, denn ich hatte vor meinem Umzug erwartet, dass Behördengänge in einem anderen Land automatisch komplizierter sein würden. Dann kam DigiD und ich stellte fest, dass sich erstaunlich viele Dinge digital und ziemlich unkompliziert regeln lassen.

Natürlich ist nicht alles damit erledigt, aber ich finde es angenehm, viele Dinge online erledigen zu können, ohne für jede Kleinigkeit irgendwo einen Termin machen und persönlich auftauchen zu müssen.

Und dann kam mein Auto.

Ich habe mein Auto aus Deutschland in die Niederlande importiert und sagen wir es so: DigiD war nicht das Problem.

Der Autoimport war es.

Plötzlich gab es Formulare, Termine, Prüfungen, Gebühren und jede Menge Dinge, von denen ich vorher nicht wusste, dass ich sie wissen musste. Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, dass auch in den Niederlanden nicht automatisch alles unkompliziert ist. Manchmal kommt es einfach darauf an, was man gerade versucht zu regeln.

Über meinen Autoimport in die Niederlande habe ich deshalb einen eigenen Artikel geschrieben, denn dafür ist die Geschichte viel zu umfangreich, um sie hier nur nebenbei abzuhandeln.

8. Man kommt leicht ins Gespräch, aber Freundschaften brauchen Zeit

Ich habe wirklich liebe Nachbarn. Man grüßt sich, hält einen kleinen Plausch über dies und das, kümmert sich um die Katze, wenn jemand nicht da ist, und natürlich wird auch Woody gestreichelt. Gerade mit einem Hund kommt man ziemlich schnell mit anderen Menschen ins Gespräch.

Auch im Büro habe ich viel Kontakt zu netten Menschen und fühle mich dort sehr wohl. Trotzdem habe ich nach zwei Jahren noch keinen richtigen, engen Freundeskreis aufgebaut.

Und ich glaube, das ist völlig normal.

Je älter man wird, desto schwieriger wird es wahrscheinlich ohnehin, neue enge Freundschaften aufzubauen, denn jeder hat sein eigenes Leben, seinen Job, seine Familie und seine bestehenden Freundschaften. Dazu kommt, dass ich eben erst seit zwei Jahren hier lebe und nicht erwarten kann, dass sich innerhalb dieser Zeit automatisch ein neuer Freundeskreis bildet.

Vielleicht braucht manche Freundschaft einfach Zeit. Und vielleicht ist ein freundlicher Nachbar, der beim Vorbeigehen stehen bleibt und fragt, wie es einem geht, auch schon ziemlich viel wert.

9. Ich vermisse Deutschland – aber erstaunlich wenig

Das hat mich tatsächlich überrascht. Dank Aldi und Lidl fehlen mir im Alltag gar nicht so viele deutsche Produkte, wie ich vor meinem Umzug gedacht hätte.

Natürlich gibt es Dinge, die ich vermisse. Zum Beispiel Klöße und Knödel. Und die deutsche Weihnachtsmarktkultur fehlt mir ebenfalls. Glühwein, Lebkuchen, Paradiesäpfel und nicht nur ein einzelner Weihnachtsmarkt an einem einzigen Sonntag hier in Zutphen, sondern eine ziemlich lange Zeit im Jahr, in der gefühlt überall irgendwo ein Weihnachtsmarkt stattfindet.

Auch die vielen Feiertage vermisse ich. In den Niederlanden gibt es einige freie Tage, die ich aus Deutschland einfach gewohnt war und die plötzlich nicht mehr auf meinem Kalender standen, darunter der Tag der Arbeit, der Tag der Deutschen Einheit (logisch), Allerheiligen, Karfreitag und Christi Himmelfahrt. An diesen Tagen grüßen Freunde aus Deutschland mit Nachrichten, wofür die den Feiertag nutzen. Ich sitze im Büro und arbeite.

Und dann vermisse ich tatsächlich etwas, womit ich vor dem Umzug überhaupt nicht gerechnet hätte: die deutsche Sprache.

Nicht, weil Niederländisch keine schöne Sprache wäre, sondern weil Deutsch unglaublich viele Möglichkeiten bietet, etwas auszudrücken. Es gibt Wörter wie Heimat oder Fingerspitzengefühl, die für mich mehr sind als ihre eigentliche Übersetzung und bei denen man manchmal merkt, dass eine andere Sprache eben doch nicht jedes Gefühl genau so transportiert.

10. Irgendwann merkst du, dass das hier dein Zuhause ist

Und dann sind da all die Dinge, wegen denen ich überhaupt hier bin: mein Freund, unser Hund Woody, unsere neue Heimat Zutphen und die Tatsache, dass meine Familie und meine Freunde gar nicht so weit weg sind. Zwei Stunden bis zu meiner alten Heimat sind für mich ein ziemlich guter Kompromiss. Ich bin nicht mehr dort, aber ich bin auch nicht wirklich weit weg.

Zutphen selbst ist für mich dabei zu einem ganz wichtigen Teil dieses neuen Lebens geworden. Ich mag die Stadt unglaublich gerne und habe inzwischen meine Lieblingsplätze, meine Wege und meine kleinen Routinen, die wahrscheinlich niemandem auffallen würden, die für mich aber inzwischen einfach zum Alltag gehören.

Die Tulpenfelder im Frühjahr, die Spaziergänge mit Woody und diese vielen kleinen Momente, in denen man irgendwann merkt, dass man sich tatsächlich auskennt. Man weiß, wo man einkaufen geht, welcher Friseur gut ist, welche Strecke man mit dem Fahrrad nimmt und wo es einen guten Kaffee gibt. Kleine neue Rituale, wie frische Blumen vom Markt am Samstagmorgen oder die Abendrunde an der Ijssel mit Woody, geben ein Gefühl von Routine. Wenn ich abends um Viertel vor 10 die Glocken der Walburgiskerk höre, weiß ich nicht nur, wie spät es ist, sondern sehe es als typisches Geräusch meiner neuen Heimat.

Vielleicht ist genau das die größte Überraschung nach zwei Jahren Niederlande: Ich bin nicht einfach nach Holland gezogen, sondern habe angefangen, mir hier ein neues Zuhause aufzubauen.

Mein Fazit nach zwei Jahren Niederlande

Wenn ich heute noch einmal am Anfang stehen würde, würde ich wahrscheinlich vieles genauso machen. Nicht, weil hier alles besser ist – das ist es nämlich nicht. Manches ist teurer, manches funktioniert anders, manches vermisse ich aus Deutschland und bei einigen Dingen habe ich auch nach zwei Jahren noch keine Ahnung, warum die Niederländer das eigentlich so machen.

Aber ich habe gelernt, dass Auswandern nicht bedeutet, sein altes Leben einfach gegen ein neues einzutauschen. Man nimmt seine Gewohnheiten, Erinnerungen und Erfahrungen mit und gleichzeitig kommen neue Menschen, neue Orte, neue Rituale und neue Lieblingsplätze dazu.

Und irgendwann steht man vielleicht an einer niederländischen Kasse, wartet geduldig an der Kletskassa und denkt nicht mehr: „Warum dauert das hier so lange?“, sondern eher: „Ach, ist doch eigentlich ganz schön so.“

Vielleicht ist genau das der Moment, in dem man merkt, dass man angekommen ist.

Von Tini

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